ESG: Roller-Waves, Anisotropien und was kein Mangel ist
ESG ist fester und sicherer, aber das Vorspannen hinterlässt Spuren, die normales Floatglas nicht hat. Die häufigste Frage betrifft Wellen in der Spiegelung. Hier steht, was normal ist, was die Norm sagt und wie man das Glas wählt, damit man es möglichst wenig sieht.
Roller-Waves: woher sie kommen
Beim Vorspannen läuft das Glas auf Rollen durch den Ofen. Am Ende der Erwärmung wird es weich, liegt auf den Rollen und senkt sich dazwischen kaum merklich ab. Das schnelle Abschrecken mit Luft „friert“ diese Form ein. Das sind lokale Verwerfungen („Roller-Waves“). Jedes ESG hat sie; der Unterschied liegt nur im Maß.
Beim Durchsehen sieht man sie nicht, sondern in der Spiegelung: die gerade Linie eines Nachbargebäudes, eine Stütze oder eine Dachkante wirkt im Glas leicht wellig.
EN 12150-1 lässt höchstens 0,3 mm auf 300 mm zu, gemessen mindestens 25 mm von der Kante. Das Lineal liegt auf den Wellenbergen, gemessen wird der Abstand bis zum Wellental. Glas innerhalb dieser Grenzen ist normgerecht.
Wann man die Wellen stärker sieht
- Glas mit reflektierender oder dunklerer Beschichtung, weil es stärker spiegelt
- ein dunkler Raum hinter dem Glas
- große Scheiben und Fassaden, von außen unter flachem Winkel betrachtet
- Isolierglas mit zwei ESG-Scheiben: zwei Spiegelungen, zwei Wellen
- dünnes Glas in großem Format
Was hilft
Dickeres Glas für größere Formate. Wegen des Vorspannprozesses empfohlene Mindestglasdicken in Abhängigkeit von der Scheibengröße:
| 4 mm | bis 1000 × 2000 mm |
| 5 mm | bis 1500 × 3000 mm |
| 6 mm | bis 2100 × 3500 mm |
| 8 mm | bis 2500 × 4500 mm |
Flecken und Regenbogenfarben (Anisotropien)
Beim Abschrecken wird Luft durch Düsen geblasen. Wo das Glas etwas stärker gekühlt wird, bleiben kleine Spannungsunterschiede. Unter polarisiertem Licht erscheinen sie als Reihen von Flecken oder Streifen in Regenbogenfarben: durch polarisierende Sonnenbrillen, bei blauem Himmel in der Spiegelung oder bei Streiflicht.
EN 12150-1 bezeichnet dies ausdrücklich als sichtbaren Effekt des Vorspannens, nicht als Mangel. Jedes ESG hat ihn, aber man sieht ihn nicht immer.

Leichte generelle Verwerfung
Die Vorspannung kann das Glas leicht verwölben. Zulässig sind höchstens 3 mm pro Meter (0,3 % der Länge), gemessen an den Kanten und in der Diagonale. Bei fast quadratischen Scheiben unter 6 mm ist die Verwerfung naturgemäß etwas größer.
Spuren bei Beschlag (Feuchtefilm)
Rollen, Saugheber und Glaserhilfsmittel hinterlassen auf der Oberfläche unsichtbare Abdrücke. Beschlägt das Glas, benetzt das Wasser diese Stellen anders und die Spuren werden kurz sichtbar. Ist das Glas trocken, verschwinden sie. Kein Mangel.
Seltener Spontanbruch
Ein winziges Nickelsulfid-Teilchen im Glas kann nach dem Einbau wachsen, und das ESG bricht ohne Einwirkung. Das ist selten, aber real. Der Heißlagerungstest (HST, ESG-H) verringert dieses Risiko. Mehr auf der Seite ESG.
Die Kennzeichnung in der Ecke
Jedes ESG muss dauerhaft gekennzeichnet sein. So weiß man auch nach dem Einbau, dass es vorgespannt ist — wichtig bei Türen, Geländern und Duschkabinen.
Kurz gesagt: Wellen in der Spiegelung, Flecken unter polarisiertem Licht und Spuren bei Beschlag sind Eigenschaften von ESG. Für große Scheiben dickeres Glas wählen.
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